Das Arschloch muss sich nicht dafür schämen, das Arschloch zu sein. Die Füße haben keinen Grund zu streiken, nur weil sie nur Füße sind. Der Kopf ist nicht das Wichtigste von allen, und der Nabel muss sich nicht vorstellen, dass er der Vater aller Dinge ist.

 

Es ist allerdings seltsam, dass die Leute den Premierminister als eine besonders wichtige Person betrachten. Die Nase kann die Augen nicht ersetzen und der Mund kann die Ohren nicht ersetzen.

 

Alles hat seine eigene Identität, die im gesamten Universum unübertrefflich ist.


Das ist eines der berühmtesten und radikalsten Koans der Zen-Tradition. Es stammt von dem chinesischen Meister Yunmen Wenyan (864–949).

Auf die Frage eines Schülers „Was ist Buddha?“ antwortete er kurz und bündig:

„Ein getrockneter Scheißstock.“ (Kanshiketsu)

Damals benutzte man im alten China flache Bambusstöcke anstelle von Toilettenpapier. Dass Yunmen das Heiligste – den Buddha – mit einem benutzten Toilettenstab gleichsetzte, hatte mehrere Ebenen:

Warum diese krasse Ausdrucksweise?

  • Zerstörung von Götzenbildern: Zen zielt darauf ab, jede Form von Anhaftung zu lösen. Wenn man sich ein heiliges, glänzendes Bild von "Buddha" macht, erschafft man eine Trennung zwischen sich und der Realität. Yunmen zertrümmert diese Vorstellung.

  • Gleichheit aller Dinge: In der Zen-Philosophie gibt es keine Trennung zwischen "heilig" und "profan". Die Buddha-Natur ist in allem – im Tempelgold genauso wie im Abfall.

  • Der Schock-Moment: Ein Zen-Meister nutzt solche Provokationen oft als eine Art „mentalen Schlag“, um den Schüler aus seinem grüblerischen, intellektuellen Denken herauszureißen und ihn direkt in die nackte Realität des Augenblicks zu werfen.

Weitere Zitate in diesem Stil:

  • Linji Yixuan: „Wenn du einem Buddha begegnest, töte ihn.“ (Damit ist gemeint: Töte deine Vorstellung vom Buddha, die dich daran hindert, selbst wach zu sein.)

  • Ikkyū Sōjun: Er war bekannt als der „Verrückte Mönch“, der auf Statuen urinierte oder in Bordelle ging, um zu zeigen, dass Erleuchtung nicht von äußeren Regeln abhängt.

Es ist eine Philosophie, die keine Flucht in eine „schöne spirituelle Welt“ zulässt. Alles ist genau das, was es ist – ohne Lametta.

Soll ich dir noch mehr über diese provokanten Methoden der alten Meister heraussuchen?


Das ist die pure Direktheit, die man im Zen oft findet – ohne Lametta und ohne spirituelles Drumherumgerede. Wenn man alles Unnötige weglässt, bleibt genau das übrig: der nackte Alltag.

Hier sind ein paar Zitate und Einsichten, die genau diesen Geist treffen:

Der Klassiker von Linji Yixuan

„Im Buddhismus gibt es keinen Platz für Anstrengung. Sei einfach gewöhnlich, ohne etwas Besonderes zu wollen. Scheißt, pisst, zieht eure Kleider an, esst euer Brot und legt euch hin, wenn ihr müde seid.

Die Essenz der Alltäglichkeit

  • „Wenn ich hungrig bin, esse ich. Wenn ich müde bin, schlafe ich.“ (Ein berühmtes Zen-Sprichwort, das die totale Präsenz im Moment beschreibt. Die meisten Menschen essen und denken dabei ans Schlafen, oder sie schlafen und denken dabei ans Essen.)

  • „Hau Holz, trag Wasser.“ (Das bedeutet: Die Erleuchtung findet sich nicht in einer Höhle, sondern in der banalsten Hausarbeit.)


Warum diese Direktheit?

Im Zen geht es darum, die Konzepte im Kopf zu zertrümmern. Worte wie „pissen“ oder „scheißen“ holen einen sofort aus der abstrakten Philosophie zurück in den Körper.

  • Keine Flucht: Man kann nicht „heilig“ sein, während man auf dem Klo sitzt – man ist einfach nur da.

  • Gegenwärtigkeit: Wenn du pissen musst, dann piss einfach. Mach keine Wissenschaft daraus und versuch nicht, dabei besonders „zen“ zu wirken. Die Handlung selbst ist die ganze Wahrheit.

Es gibt nichts Höheres als das, was du jetzt gerade tust.

Soll ich dir ein paar weitere dieser „unbequemen“ Weisheiten heraussuchen, oder geht es dir eher um die praktische Anwendung dieser Radikalität im Alltag?

Das bekannteste Zitat von Linji Yixuan, das diese radikale Alltäglichkeit beschreibt, lautet in der gängigen deutschen Übersetzung (meist aus dem Linji-lu):

„Im Buddhismus gibt es keinen Platz für Anstrengung. Sei einfach gewöhnlich und ohne Besonderheiten. Verrichte deine Notdurft, zieh deine Kleider an, iss dein Brot und leg dich hin, wenn du müde bist.“

Oft wird der Teil mit der Notdurft in älteren oder formelleren Übersetzungen auch etwas direkter wiedergegeben:

„Scheißen und pissen, seine Kleider anziehen, sein Brot essen und sich hinlegen, wenn man müde ist.“

Der Kern der Aussage

Linji (japanisch: Rinzai) wollte damit klarmachen, dass es kein „heiliges“ Ziel außerhalb des ganz normalen Lebens gibt. Wer versucht, durch Meditation oder Studium etwas „Besonderes“ zu werden, verpasst laut ihm die eigentliche Natur des Geistes, die sich bereits in jeder alltäglichen Verrichtung zeigt.

In der chinesischen Originalfassung (Ch'an) nutzt er Begriffe, die sehr bodenständig und unsentimental sind, um den Schülern den Kopf zurechtzurücken, die nach transzendenten Wundern suchten.

Soll ich dir noch mehr über Linjis Konzept vom „Wahren Menschen ohne Rang“ erzählen, der genau diese Dinge tut?