Der Geist Buddhas ist die „Leere“

Geschrieben am 27.08.2021

von Shaolin Rainer

 

In Ehrfurcht erkennen wir, dass es nirgendwo etwas gibt, an dem man sich festhalten kann, weil die Leere alles durchdringt.

 

Weshalb ist alles leer? Es ist leer, weil NICHTS Bestand hat, einfach alles in diesem Universum ist vergänglich. Wir wissen, dass wir NICHTS halten oder behalten können, einfach ALLES, was wir unser nennen, eines Tages wieder verlieren werden.

 

In der Dunkelheit öffnet sich ein Tor, ein warmes Licht scheint herein, winkt uns zu, animiert uns, den Weg des spirituellen Sehens zu wählen. Gehen wir durch das TORLOSE TOR, oder drehen wir uns um und rennen, aus Angst vor dem Unbekannten, einfach davon?

 

Wenn wir an der Leere festhalten, werden wir nur die Unwissenheit erhöhen. Wenn wir uns an Formen klammern, bestätigen wir nur unsere falschen Ansichten. Buddha sagte: „Leere ist Form, und Form ist Leere“!

 

Warum ist das Erkennen der Leere um uns herum so wichtig? Kann es wirklich etwas „Tieferes" geben, eine „Realität" außerhalb unserer normalen, imaginären Realität? Nach Buddha ist echte Stille des Geistes die Voraussetzung, die uns auf die unglaubliche Reise zur „ERLEUCHTUNG“ führt.

 

Nach Buddha liegt die Leere außerhalb der mentalen Konstrukte von Worten oder Symbolen, wir können den Geist nicht beruhigen, wenn wir unseren Blick, unsere Aufmerksamkeit, auf die "Dinge" der materiellen Welt richten.

 

"Wo bin ich in all dem? Wo ist mein Selbstgefühl, wo mein Ego? Was ist meine Identität? Wer bin ich“?

 

Ein erstmaliger Blick in die Leere aktiviert die Buddha-Natur in uns, zeigt die Offenbarung eines unendlichen, fast leeren Universums. Erst danach verstehen wir die wahre Natur von Geburt und Tod, das Gesetz von Ursache und Wirkung.

 

Alles ist in Bewegung, ändert sich ständig, endlos wiederholt sich der Kreislauf des Lebens. Als "erleuchtetes Wesen" sehen wir Schleifen reiner Energie, die räumlich und zeitlich miteinander agieren, um daraus dann die Dinge zu erschaffen, die wir als Realität in unserem bisherigen Leben begreifen wollten.

 

Sogar unser Körper ist konstantem Wechsel, und damit dem Verfall unterworfen, NICHTS bleibt wie es ist, alles wird vergehen.

 

Das buddhistische Konzept der „Leere“ ist nicht negativ, nicht dunkel oder bedrohlich. Anstatt das menschliche Los mit „Leere“ zu umschreiben, könnte man auch das Wort „Fülle“ verwenden. „Leere“ ist nur ein Symbol, um für unseren Intellekt eine Brücke zu bauen!

 

Als Ausweg aus der „Leere“ gab Buddha uns das Konzept der „ERLEUCHTUNG“.

 

Das „Ego“ hat eine unglaubliche Macht über uns, es dominiert uns, überzeugt uns davon, dass unsere Meinung „die richtige“ ist. Unser Ego wird auf unserer SPIRITUELLEN REISE zahlreiche Hindernisse aufbieten, die aus dem Weg zu schaffen sind. Die Herausforderung für den "spirituellen Reisenden" besteht darin, sich von der Vorstellung zu lösen, dass wir das sind, was wir zu sein glauben.

 

Sich immer wieder in Freigibigkeit zu üben - das ist ein loslassen, das großen Segen bringt

 

- Buddha - Ehrenname des Siddharta Gautama - 560 bis 480 vor dem Jahr Null

 

Die Weisheit des Lebens besteht im Vermeiden der unwesentlichen Dinge.

 

- Chinesische Weisheit -

 

Du kannst was man können muss, aber du bist leer

 

- Daniel Kehlmann - Deutsch-österreichischer Schriftsteller - geboren 1975

 

 


Das Konzept der „Leere“ (Sanskrit: Shunyata) ist eines der am häufigsten missverstandenen Themen im Buddhismus. Es klingt im ersten Moment nach Nihilismus oder einem schwarzen Loch, aber eigentlich ist es eine sehr lebendige Philosophie.

Hier ist eine kurze Aufschlüsselung, was es bedeutet und wie du das als Christ einordnen kannst.


1. Was meint der Buddhismus mit „Leere“?

Leere bedeutet nicht, dass nichts existiert. Es bedeutet vielmehr, dass Dinge leer von einer Eigenexistenz sind. Nichts existiert für sich allein, getrennt vom Rest des Universums.

  • Intersein: Ein Baum ist „leer“, weil er ohne Sonne, Wasser und Erde nicht existieren könnte. Er besteht aus „Nicht-Baum-Elementen“.

  • Wandel: Alles fließt. Es gibt keinen festen, unveränderlichen Kern in den Dingen (oder im „Ich“).


2. Die Brücke zum Christentum

Für dich als Christ mag das Wort „Leere“ erst einmal fremd klingen, da der christliche Glaube auf der Fülle Gottes und der Beständigkeit der Seele basiert. Aber es gibt faszinierende Berührungspunkte:

Die „Kenosis“ (Selbstentäußerung)

Im Philipperbrief (2,7) wird beschrieben, wie Christus sich selbst „entäußerte“ oder „leer machte“, um Mensch zu werden.

„Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an...“

Als Christ kannst du die buddhistische Leere als eine Form der Demut betrachten: Das Ego beiseite schieben, um Raum für Gott zu schaffen. Wenn ich leer von meinem eigenen Stolz und meinen festgefahrenen Urteilen bin, kann Gottes Gnade erst richtig wirken.

Gott als das „ganz Andere“

Mystiker wie Meister Eckhart sprachen davon, dass Gott über alle Begriffe hinausgeht. Er ist kein „Ding“ unter anderen Dingen. In dieser negativen Theologie (Via Negativa) nähert man sich Gott an, indem man sagt, was er nicht ist. Das ist der buddhistischen Leere gar nicht so unähnlich: Beides warnt davor, sich ein festes, begrenztes Bild von der absoluten Wahrheit zu machen.


3. Was bedeutet das konkret für dich?

Die Beschäftigung mit der Leere kann deinen christlichen Glauben auf praktische Weise bereichern:

Aspekt Buddhistische Sicht (Leere) Christliche Anwendung
Das „Ich“ Es gibt kein festes, getrenntes Ego. „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20)
Besitz An Dingen zu haften führt zu Leid, da sie leer/vergänglich sind. Schätze im Himmel sammeln; Freiheit von Materialismus.
Verbundenheit Alles ist eins und bedingt sich gegenseitig. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ und die Nächstenliebe (wir sind ein Leib).

Ein kleiner Gedankenanstoß

Vielleicht hilft dir dieses Bild: Ein Becher ist nur nützlich, weil er im Inneren leer ist. Erst diese Leere erlaubt es ihm, Wasser aufzunehmen.

Für dich als Christ könnte „Leere“ bedeuten, die Hände (und das Herz) zu öffnen und loszulassen, was dich festhält, damit du bereit bist, die Fülle Gottes zu empfangen.

Möchtest du tiefer in einen bestimmten Aspekt eintauchen, zum Beispiel wie christliche Mystiker die „Stille“ oder das „Nichts“ beschreiben?

Das Eintauchen in die christliche Mystik zeigt, dass die Suche nach Gott oft dort beginnt, wo Worte und Konzepte aufhören. Während der Buddhismus von der Leere spricht, nutzen christliche Mystiker oft Begriffe wie die „Nacht der Seele“ oder das „Göttliche Dunkel“.

Hier sind drei Ansätze, wie dieses „Nichts“ im christlichen Kontext verstanden wird:


1. Die Via Negativa (Der Weg der Verneinung)

Schon im 5. Jahrhundert beschrieb Pseudo-Dionysius Areopagita, dass Gott so unendlich groß ist, dass keine menschliche Eigenschaft ihm gerecht wird.

  • Das Konzept: Wenn wir sagen „Gott ist gut“, begrenzen wir ihn auf unsere menschliche Vorstellung von „gut“.

  • Die Praxis: Um Gott wirklich zu begegnen, muss man alle Bilder und Vorstellungen loslassen. Man tritt in eine „Wolke des Nichtwissens“.

  • Die Parallele: Wie bei der buddhistischen Leere geht es darum, den Geist von festgefahrenen Konzepten zu befreien, um die Realität (Gott) so zu erfahren, wie sie ist – nicht wie wir sie uns vorstellen.

2. Meister Eckhart: Das „Wüsten-Nichts“

Der Dominikaner-Mönch Meister Eckhart (13./14. Jh.) ist wohl der bekannteste christliche Denker, der dem buddhistischen Verständnis nahekommt. Er sprach davon, dass die Seele „ledig“ (frei und leer) werden muss.

  • Gott als Nichts: Eckhart sagte radikal, Gott sei ein „Nichts“ – nicht im Sinne von Nicht-Existenz, sondern im Sinne von „Kein-Ding“. Er ist kein Objekt, das man besitzen kann.

  • Die „Abgeschiedenheit“: Er empfahl eine Haltung, in der man sich von seinem eigenen Willen und seinen Wünschen leer macht. In diese Leere hinein wird Gott in der Seele „geboren“.

„Man muss Gott mit Nicht-Wissen erkennen; man muss ihm anhängen durch das Nicht-Wissen.“

3. Johannes vom Kreuz: Die dunkle Nacht

Johannes vom Kreuz beschreibt den Prozess des „Leerwerdens“ als schmerzhaft, aber notwendig.

  • Die Reinigung: Er nennt es die „Dunkle Nacht der Sinne“. Gott entzieht dem Gläubigen die emotionalen Tröster (das schöne Gefühl beim Gebet, die Gewissheit), damit der Mensch lernt, Gott um Gottes willen zu lieben – nicht wegen des guten Gefühls.

  • Das Ziel: Die völlige Freiheit von Anhänglichkeiten. Erst wenn die Seele leer von der Gier nach spirituellen und materiellen Erlebnissen ist, kann sie sich mit dem göttlichen Licht vereinigen.


Zusammenfassung: Leere vs. Fülle?

Der Hauptunterschied bleibt oft die Nuance:

  • Im Buddhismus ist die Leere die Natur der Realität an sich.

  • Im Christentum ist die Leere (Kenosis) ein Raum, der geschaffen wird, damit Gott ihn mit seiner Fülle füllen kann.

In beiden Traditionen ist die Stille das Medium. Wenn der Lärm des Egos verstummt, wird das Wesentliche hörbar.


Ein praktischer Schritt für dich

Du könntest einmal versuchen, in deine Gebetszeit ein Element der „kontemplativen Stille“ einzubauen:

  1. Setz dich aufrecht hin, atme ruhig.

  2. Anstatt Gott mit Worten oder Bitten zu überhäufen, versuche einfach nur, „leer“ vor ihm zu sein.

  3. Wenn Gedanken kommen (Urteile, Pläne, Sorgen), lass sie wie Wolken weiterziehen, ohne an ihnen festzuhalten.

Soll ich dir eine einfache Übung aus der christlichen Tradition des „Herzensgebets“ beschreiben, die genau dieses Leerwerden praktisch unterstützt?

Das Herzensgebet (auch Ruhegebet oder Jesusgebet genannt) ist eine der ältesten christlichen Meditationstechniken. Es stammt von den Wüstenvätern des 4. Jahrhunderts und ist im Grunde die christliche Antwort auf das Bedürfnis, den rastlosen Verstand zur Ruhe zu bringen und das Herz für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

Hier ist eine einfache Anleitung, wie du diese „Leere“ als Raum für Gott praktizieren kannst:


Die Praxis des Herzensgebets

1. Die äußere Haltung

Suche dir einen ruhigen Ort. Setze dich aufrecht, aber entspannt hin. Die Wirbelsäule sollte gerade sein, damit der Atem frei fließen kann. Lege deine Hände locker in den Schoß. Schließe die Augen oder richte deinen Blick sanft auf einen Punkt am Boden.

2. Das Gebetswort (Der Anker)

Wähle ein kurzes Wort oder einen Satz, der dein Anker ist. Traditionell ist es der Name „Jesus“ oder der Satz:

„Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“

Im Kontext der Leere und Fülle kannst du auch einfach ein Wort wie „Abba“ (Vater), „Friede“ oder „Maranatha“ (Komm, Herr!) wählen.

3. Der Rhythmus mit dem Atem

Verbinde das Wort mit deinem natürlichen Atemzug. Versuche nicht, den Atem zu kontrollieren, sondern lass das Gebet auf dem Atem „reiten“:

  • Einatmen: „Herr Jesus Christus...“ (Du nimmst seine Gegenwart auf).

  • Ausatmen: „...erbarme dich meiner.“ (Du lässt alles los, was dich belastet oder besetzt).

4. Mit Gedanken umgehen (Das „Leerwerden“)

Das ist der entscheidende Punkt, der an die buddhistische Achtsamkeit erinnert:

  • Dein Verstand wird unweigerlich anfangen zu plappern (Einkaufslisten, Sorgen, Erinnerungen).

  • Kämpfe nicht gegen die Gedanken an. Das erzeugt nur neuen Lärm.

  • Nimm sie wahr, bewerte sie nicht, und kehre sanft wie zu einem guten Freund zu deinem Gebetswort zurück.


Was dabei passiert

Das Ziel ist nicht eine intellektuelle Erkenntnis, sondern ein Zustand des Seins.

  • Vom Kopf ins Herz: Du steigst aus dem Karussell deiner Konzepte über Gott aus und trittst in die direkte Erfahrung seiner Gegenwart.

  • Die heilige Leere: Indem du dich von deinen eigenen Worten und Vorstellungen leer machst, schaffst du eine „Vakuum-Wirkung“. Du hältst Gott dein leeres Gefäß hin, damit er es füllen kann.

„Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich.“ — Meister Eckhart


Ein kleiner Tipp für den Anfang

Versuche es für den Start mit 10 Minuten am Tag. Es geht nicht darum, „gut“ darin zu sein oder sofort ekstatische Gefühle zu haben. Es geht um die Treue im Stillesein.

Möchtest du, dass ich dir noch ein paar kurze Texte oder Zitate von christlichen Mystikern heraussuche, die du als Fokus für diese Stille nutzen kannst?

Ja, sehr gerne! Das ist eine wunderbare Idee. Texte von Mystikern haben oft diese besondere Tiefe, die nicht nur den Verstand anspricht, sondern direkt das Herz zur Ruhe kommen lässt.

Ich bin bereit. Wenn du die Texte teilst, können wir sie auf verschiedene Weise nutzen:

  • Resonanz-Check: Wir schauen, welcher Satz bei dir am stärksten „nachschwingt“.

  • Strukturierte Kontemplation: Ich kann dir helfen, den Text in kleine Portionen zu zerlegen, die man gut mit dem Atem verbinden kann.

  • Thematische Einordnung: Wir können schauen, welche Qualität (z. B. Loslassen, Licht, innere Leere oder Fülle) der Text gerade in den Vordergrund stellt.

Schieß los – ich bin gespannt, welche Perlen du ausgesucht hast!