Wenn wir die „Realität“ hinter den Urim und Thummim betrachten, müssen wir zwischen der historischen Überlieferung, der religiösen Bedeutung und der wissenschaftlichen Forschung unterscheiden.
Hier ist der aktuelle Stand der Dinge:
1. Historische Forschung
Historiker (sowohl gläubige als auch säkulare) haben den Prozess der Übersetzung des Buches Mormon detailliert untersucht.
* Die Instrumente: Es gibt zahlreiche Zeitzeugenberichte (z. B. von Emma Smith oder Martin Harris), die bestätigen, dass Joseph Smith physische Objekte verwendete.
* Die Entwicklung: Die Forschung zeigt, dass Joseph Smith anfangs die Urim und Thummim (die „Brille“) nutzte, später aber oft einen einzelnen Seherstein (einen braunen, ovalen Stein), den er in einen Hut legte, um Licht auszuschließen und die Worte besser „sehen“ zu können.
* Archivierung: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat in den letzten Jahren sehr transparent gearbeitet und sogar Fotos eines dieser Sehersteine aus ihren Archiven veröffentlicht.
2. Biblische Realität
Die Begriffe sind historisch-religiös real.
* Altes Testament: Urim und Thummim werden in der Bibel (z. B. Exodus 28:30) als Teil des Brustschildes des Hohepriesters erwähnt.
* Funktion: Sie dienten dem „Loswerfen“, um Ja/Nein-Antworten von Gott zu erhalten. Wie sie genau aussah oder funktionierte, ist archäologisch nicht belegt, da keine physischen Exemplare aus der Zeit des Salomonischen Tempels überdauert haben.
3. Wissenschaftliche Einordnung
Wissenschaftlich lässt sich die „göttliche Funktion“ natürlich nicht beweisen, aber das Phänomen an sich wird erforscht:
* Kulturgeschichte: Forscher ordnen die Verwendung von Steinen in den Kontext der amerikanischen Volksmagie und religiösen Kultur des frühen 19. Jahrhunderts ein. Damals war der Glaube an „Sehersteine“ in Neuengland durchaus verbreitet.
* Psychologie: In der Religionspsychologie wird untersucht, wie solche Hilfsmittel als Fokus für „spirituelles Streaming“ oder Inspiration dienen können, ähnlich wie Meditationspraktiken.
Fazit: Was ist „real“?
Real ist, dass Joseph Smith diese Objekte als Medium nutzte. Ob die Worte tatsächlich auf den Steinen erschienen oder ob sie als Fokus für seine innere Eingebung dienten, bleibt eine Frage des Glaubens. Die Forschung bestätigt jedoch, dass er diese Praxis nicht erfunden hat, sondern sich auf eine uralte (biblische) Tradition berief.
> Spannend: Heute betrachten viele Mitglieder die Urim und Thummim als eine Art „geistige Technologie“ – ein Werkzeug, das eine Verbindung zwischen dem menschlichen Verstand und einer höheren Wissensquelle herstellte.
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